Endlich ein Kippenberger

Eigentlich ist es ein Unding. In Dortmunds Museen hängt nicht ein Werk von Martin Kippenberger, der in der Stadt geboren ist. Jetzt naht Hilfe.

Die Kulturstiftung Dortmund ist kurz vor Weihnachten ein rettender Engel. Der Zusammenschluss der Wirtschaft wird 25 Jahre alt, und aus diesem Anlass schenkt die Stiftung der Stadt Dortmund ein Werk „ohne Titel“ von Martin Kippenberger aus dem Jahr 1989. Das Team des Museums Ostwall im Dortmunder U-Turm will es schon in der nächsten Woche im neuen Eingangsbereich auf der 5. Etage aufhängen.

Die Besucher werden es lieben, denn im fröhlichen gelben Original-Rahmen steckt eine witzige Collage. Die unterste Schicht besteht aus Druck-Erzeugnissen. Darüber montierte der Künstler eine Transparentfolie, die er mit silber- und goldfarbenen Motiven bemalte. Und die haben es in sich: Spritzen weisen darauf hin, dass der Künstler Drogen nicht abgeneigt war. Schilder mit der Aufschrift „Free Sex“ und teure Hotel-Adressen wirken wie ein Kompendium von Kippenbergers exzessivem Leben, sagte am Donnerstag Gijs van Tuyl, ehemaliger Direktor des Stedelijk Museums in Amsterdam: „Es gab diesen Mythos von Sex, Drugs and Rock’n’Roll.“ Aber vor allem sei Kippenberger eine Schlüsselfigur der Moderne, er habe ein freies und freches Selbstverständnis des Künstlers neu definiert. Van Tuyl erinnerte sich lächelnd daran, Kippenberger einmal bei einer Diskussion befragt zu haben. Statt zu antworten, nahm Kippenberger ein Telefon und sagte hinein: „Mein lieber Gott, hier Kippenberger, ich möchte einen Gin Tonic bestellen.“ Dieser Humor war typisch für Kippenberger, der 1953 in Dortmund geboren wurde, mit vier Schwestern in Essen aufwuchs und mit 44 Jahren leider viel zu früh an Leberkrebs starb.
Was das Werk aus dem Besitz einer Sammlerfamilie gekostet hat, wollte die Stiftung nicht sagen. Ein ähnliches Bild war 2007 für rund 35.000 Euro versteigert worden – das war allerdings, bevor ein Selbstporträt des Künstlers anno 2014 für 18,6 Millionen Dollar (!) unter den Hammer kam.

Solche horrenden Preise dürften auch ein Hindernis sein für eine Kippenberger-Ausstellung, denn sie haben hohe Versicherungssummen im Schlepptau. Wird es eine Schau in Dortmund geben? „Zuerst ist eine gute Idee wichtig“, antwortete Edwin Jacobs, Direktor des Museums Ostwall. Er hat Kontakt zur Familie des Künstlers aufgenommen und hofft darauf, mit Kippenberger-Leihgaben die ständige Sammlung „dynamisieren“ zu können. Die Kulturstiftung Dortmund hat ein Vermögen von 5,8 Millionen Euro. Aus den Erträgen fördert sie die Kultur. Vier Millionen Euro konnte sie dafür bisher ausgeben.


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