Populäre Malerei aus dem Kongo in der Konsumwelt: Ausstellung "Kinshasa Days"

Populäre Malerei aus dem Kongo in der Konsumwelt: Ausstellung "Kinshasa Days"

Der Unterschied zwischen der Thier-Galerie in der Dortmunder City und einem Marktplatz in Kinshasa könnte größer kaum sein. Umso spannender wird das Zusammentreffen: 14 Künstler aus der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo stellen im ECE-Einkaufszentrum aus.

Ihre Werke, insgesamt 22 Arbeiten, sind vom 13. Juli bis 12. August bei freiem Eintritt zu sehen. Die Ausstellung widmet sich der Kunst der "artistes peintres de style populaire" - also jener populärer Maler in Afrikas drittgrößter Stadt, die ihre in der Tradition der Schildermaler gestalteten Bilder meist auf der Straße anbieten.

Die Ausstellung ist Teil des groß angelegten Projekts "Kinshasa - Stadt der Bilder. Eine Reise durch die kongolesischen Künste der Gegenwart". Dazu gehören neben der Schau in der Thier-Galerie weitere Ausstellungen im Museum für Kunst und Kulturgeschichte sowie im ehemaligen Museum am Ostwall (beide ab 14. Juli). Das Kino im U zeigt begleitend einige Filme, ein Rahmenprogramm ergänzt die Veranstaltungsreihe.

Auf den Bildern geht es um das politische, soziale und religiöse Leben in der Zehn-Millionen-Metropole: Beliebte Motive sind Marktszenen oder das chaotische Transportsystem - ein geregelter öffentlicher Nahverkehr existiert in Kinshasa nicht -, aber auch Kommentare zur politischen Situation im Kongo, etwa dem Wahlbetrug des Diktators Joseph Kabila im Jahr 2011.

Die plakativen, auffällig kolorierten Bildern thematisieren die Rolle der Frau in der Gesellschaft ebenso wie das Erbe des Kolonialismus oder zeigen mythische Motive und Symbole. Im Unterschied zur naiven Malerei Europas mit ihren häufig bäuerlich-ländlichen, idealisierenden Motiven wurzelt die Art populaire im Kongo eindeutig in der Großstadt. Sie ist beeinflusst von der Schilder- und Werbemalerei, die durch die Kolonialmacht Belgien nach Kinshasa kam. In der Hauptstadt der D.R. Kongo, einer "Stadt der Bilder", in der kaum eine Fassade unbemalt bleibt, treten die Bilder der populären Künstler in einen Wettbewerb um Aufmerksamkeit - ähnlich wie die Waren in der Thier-Galerie.

Häufig enthalten die Bilder mit ihrer marktschreierischen Ästhetik eine direkte Botschaft: eine Kritik, eine Moral oder eine Belehrung. "Die Volksmalerei ist wahrlich ein Werkzeug der Massenkommunikation", urteilt Prof. Joseph Ibongo, Geschäftsführer der Nationalmuseen Kongos, im Katalog, der zum Ausstellungsprojekt erscheint.

Im gleichen Katalog schreibt Stadtdirektor und Kulturdezernent Jörg Stüdemann: "In einer Stadtgesellschaft mit vielen Sprachen und noch mehr Lese-Unkundigen erläutern Bilder, Comics, aufmerksamkeitsorganisierende Schilder und große Lettern das Angebot von Handel und Wirtschaft, Dienstleistungen und Verkehr. Die visualisierten Botschaften müssen schnell verstanden werden." Der Dortmunder Beigeordnete war selbst in Kinshasa und hat das Ausstellungsprojekt persönlich mit auf den Weg gebracht.

Thier-Galerie, Westenhellweg 102-106, Eintritt frei

Öffnungszeiten: montags bis donnerstags 8 bis 20.30 Uhr, freitags und samstags 8 bis 22.30 Uhr.

Begleitet und mit organisiert wird die Ausstellung vom Hilfsverein Dorkin e.V. (Dortmund-Kinshasa). Der Verein wird während der Ausstellung über verschiedene Hilfsprojekte in Kinshasa informieren. "Kinshasa Days - Kinshasa Nights" wird am 13. Juli in der Thier-Galerie eröffnet.

Zwei der bekanntesten Art Populaire-Künstler, Cheri Benga und Berry Matundu, sind anlässlich der Ausstellung zu Gast in Dortmund und werden einen zweitägigen Workshop für Kinder ab zehn Jahren gestalten. "Wir malen ein Bild von Dortmund im Stile der Art Populaire" findet statt am 14. und 15. Juli, 14 bis 17 Uhr, im Dortmunder U, Etage U2. Der Eintritt ist frei. Anmeldungen unter 0231/50-2 20 33.

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